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Sonae | Sonia Güttler

Produzentin und DJ – NICA Artist seit 2020
Sonae by Katja Ruge

Sonae ist Produzentin, Live-Performerin und DJ der experimentellen elektronischen Musik; zudem ist sie Teil des Labels und Kollektivs Monika Werkstatt. Ihr Debütalbum erschien 2015 beim Berliner Label Monika Enterprise. Es folgte eine Künstlerresidenz im Klingklang Studio in Düsseldorf, das »Women in Computer Music«-Stipendium am CCRMA der Stanford Universität in Kalifornien und ein Masterabschluss in Populärer Musik an der Folkwang Universität der Künste in Essen. 2018 wurde ihr zweites Album »I Started Wearing Black« veröffentlicht (»ein bemerkenswertes Album« - Fluid Radio UK), gefolgt von »Music For People Who Shave Their Heads« im Jahre 2019 auf dem Londoner Label Bit-Phalanx Music. Sie nahm außerdem DJ-Mixe für The Wire, Self-Titled, Vice und Dublab auf.

Sonae spielt live sowohl Solo-Shows als auch mit Monika Werkstatt auf Festivals und in Clubs wie dem Institut für Zukunft (Leipzig), dem Meakusma Festival (Eupen), Ausland (Berlin), dem Pop Kultur Festival (Berlin), dem Uh-Fest (Budapest), dem Cafe Oto (London), dem 23rpm Festival (London) und The Cube (Bristol) und anderen neben Künstler*innen wie Squarepusher (Warp), Kyoka (raster-noton) und Plaid (Warp). Sonae lebt und arbeitet in Köln.

 

»Merkt euch ihren Namen« - A Closer Listen

Wenn man Sonia Güttler dabei zu hört, wie sie über ihr Projekt Sonae spricht, dann lässt sich ihre Herkunft aus Deutschland nicht leugnen. Die Kölnerin benutzt beispielsweise das Wort Bestandsaufnahme, um das von ihr intensiv betriebene Hinterfragen von Einflussfaktoren ihrer Produktionsweise und Aspekte der Außenwirkung zu thematisieren. Das mag zunächst bürokratisch anmuten, jedoch steckt dahinter die hochemotionalisierte und energisch verfolgte künstlerische Ambition sich nicht zu wiederholen – denn das wäre Stagnation, der Feind aller Musiker*innen.

Doch keine Angst, man muss sich nur einmal anhören, wie viel sich zwischen dem 2015 erschienen Debut-Album »Far Away Is Right Around The Corner« und dem drei Jahre später heraus gekommenen zweiten Album »I Started Wearing Black« bei ihrem Projekt Sonae getan hat, um das Ausmaß der künstlerischen Selbstmarterung zu verstehen, die sich Sonia Güttler im Studio auferlegt.

Die Alben, die beide auf dem von Gudrun Gut (Malaria!, Mania D, …) betriebenen Berliner Label Monika Werkstatt erschienen sind und damit eingebettet in eine feministisch-aktionistisch definierte Gemeinschaft, zeugen von der Genese der Produzentin Güttler. Während sie auf »Far Away Is Right Around The Corner« primär Ambient Musik als Soundteppich zum sich fallenlassen und wohlfühlen auslegte, wagt sie sich mit »I Started Wearing Black« in soundästhetisch schmerzhaftere Regionen vor, verlangt Hörer*innen und sich selbst gleichermaßen deutlich mehr ab. Neben der irgendwann in den Jahren zwischen den Alben in ihr erweckten Sehnsucht nach langen Clubnächten (die sich auch in den Mixen für Radiosender wie NTS Radio London oder Dublab seitdem niederschlagen), spürt man in den Zwischentönen des Albums aber auch die Einflusslinien von feinfühligen Kollaborationen wie jener mit Danielle de Piciotto (mit der sie 2017 das Album »Leise Fäden« aufnahm) und diversen Remixaufträgen (u.a. für AGF, Blint und Natalie TBA Beridze; zuletzt auf der Compilation »Music For People Who Shave Their Heads« versammelt).

Sonia Güttlers Selbstverständnis als Künstlerin endet jedoch nicht bei ihren eigenen Produktionen und Karriereambitionen, die gebürtige Hamburgerin ist ein Paradebeispiel für eine sich sozial engagierende Künstlerin. So bringt sie sich seit einigen Jahren beispielsweise immer wieder beim Kölner On – Neue Musik e.V. ein, einem Verein, der sich Neuer Musik widmet. Ihr ist es ein besonders wichtiges Anliegen, die Rolle von Frauen in der Elektronischen Musik zu thematisieren, einerseits in einem Akt der Aufklärung via Vorträge und Konzerte, andererseits aber auch als direkte Inspiration via Workshops und persönliche Ansprache.

 Das Wissen, das Sonia Güttler hier einzubringen weiß, ist das Ergebnis ihrer eigenen künstlerischen Vita und geprägt von mehreren Einflusssträngen: der Selbstermächtigung im Geiste der Do-it-yourself-Haltung; ihrem Studium am Institut für Pop-Musik der Folkwang Universität der Künste, wo sie unter anderen bei Hans Nieswandt, Gregor Schwellenbach und Tanja Godlewsky in die künstlerische Lehre ging; und durch ihre Involvierung in die bereits angesprochene Community rund um ihr Label Monika Enterprises, durch das künstlerische Austauschprozesse mit Musikerinnen wie AGF, Beate Bartel, Lucrecia Dalt, Danielle De Picciotto, Islaja, Barbara Morgenstern Nathalie Beridze und Pilocka Krach zustande kamen, bei denen das Kollektiv gemeinsam neue Klangpfade erforschte. 

Fragt man Sonia Güttler nach ihrem wichtigsten Ratschlag an junge Musikerinnen, antwortet sie mit einem signifikanten Destillat dieser Stränge:

»Die Kunst muss immer Priorität haben! Man darf sich nicht vom Alltag davon abhalten lassen, Musik zu machen!«

In diesem Sinne, man darf sehr gespannt sein, mit was Sonia Güttler sich und uns als nächstes überrascht.

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